Aufwertung mürgelibrunnen

Das Naturschutzreservat Mürgelibrunnen zwischen Deitingen und Wangenried umfasst ein vielfältiges System aus Weihern, Gräben, Schilfflächen sowie Feucht- und Naturwiesen. Eine extensiv genutzte Wiesenfläche im Berner Teil des Schutzgebiets war gemäss historischen Karten früher deutlich stärker vernässt. Entwässerungsgräben senkten den Wasserstand jedoch ab. Obwohl sich nach der Extensivierung erste Ried- und Feuchtwiesenpflanzen wieder ansiedelten, lag das Grundwasser durchschnittlich noch etwa einen halben Meter unter der Bodenoberfläche und schwankte stark. Hydrologische, bodenkundliche und biologische Untersuchungen aus den Jahren 2011 und 2012 klärten deshalb ab, wie die Fläche wieder zu einer Riedwiese entwickelt werden könnte.

Erfolgsfaktoren / Erfahrungen

  • Hydrologie vor der Planung untersuchen: Das bestehende System aus Weihern, Zu- und Ableitungen, Drainagen und Gräben ist komplex und muss als Ganzes verstanden werden.
  • Bodenaufbau berücksichtigen: Der vorhandene Torf ist überwiegend stark vererdet und höchstens rund 60 Zentimeter mächtig. Nur kleine Reste von Schwarztorf sind erhalten.
  • Geländemodell erstellen: Rund 500 Höhenpunkte machten Senken und Geländerücken sichtbar und erlaubten eine gezielte Planung der Vernässung.
  • Bestehende Feuchtvegetation als Hinweis nutzen: Zwei Teilflächen mit Riedpflanzen belegen, dass eine Entwicklung zu einer grossflächigeren Riedwiese grundsätzlich möglich ist.
  • Unterschiedliche Feuchtestufen zulassen: Diese schaffen eine Vielzahl verschiedener Mikrohabitate und werden unterschiedlichen Tierarten und ihren jeweiligen Lebensraumansprüchen gerecht.
  • Nachbarflächen schützen: Besonders eine tiefer gelegene Parzelle im Nordwesten könnte von der Vernässung betroffen sein. Auswirkungen müssen vor der Umsetzung geklärt und mit Eigentümerschaft und Bewirtschaftenden abgestimmt werden.
  • Langfristige Pflege sichern: Schilf- und Grasflächen müssen regelmässig gemäht sowie Gräben und Wasserflächen freigehalten werden, damit sie nicht verlanden oder verbuschen.
  • Lokales Wissen nutzen: Der Natur- und Vogelschutzverein Deitingen betreut das Gebiet seit Jahrzehnten, kennt die hydrologische und biologische Entwicklung des Gebiets und führte einen grossen Teil der Wasserstandsmessungen durch. Dieses lokale Wissen ermöglicht einen sorgfältigen, professionellen und situationsgerechten Umgang mit dem Gebiet – etwas, das in dieser Form durch den Kanton alleine kaum geleistet werden kann.

Kurzbeschrieb

Als Grundlage für die geplante Wiedervernässung wurden zwei automatische und mehrere manuelle Messpegel installiert, 13 Bodenprofile untersucht, die Vegetation aufgenommen und rund 500 Geländepunkte vermessen. Die Untersuchungen zeigten, dass der Wasserstand nach Niederschlägen rasch ansteigt, danach aber ebenso schnell wieder absinkt. Zwei Teilflächen wiesen bereits typische Riedvegetation auf und bestätigten das natürliche Vernässungspotenzial.

Die Planung sah vor, das Gelände an wenigen ausgewählten Stellen leicht abzutragen, sodass die gesamte Fläche über eine einzige Wasserzuleitung aus einem bestehenden Weiher gleichmässig vernässt wird. Dadurch entstehen unterschiedliche Wasserverhältnisse: An einigen Stellen darf das Wasser länger stehen bleiben und flache Wasserflächen bilden, während es an anderen Bereichen knapp unter der Bodenoberfläche liegt oder langsam durch den Untergrund in Richtung Fuchslochkanal sickert. Dieser übernimmt schliesslich die Ableitung des überschüssigen Wassers und sorgt dafür, dass die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen nicht vernässt werden.

Standort

Wangen an der Aare, Kanton Bern

Stand

  • umgesetzt

Kontakt

Abteilung Naturförderung Kanton Bern
Petra
Graf
Tel. +41 31 636 14 68

Projektpartner

  • Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern, Abteilung Naturförderung
  • Natur- und Vogelschutzverein Deitingen
  • Bürgergemeinde Deitingen
  • PLUSPUNKT
  • Flurgenossenschaft Wangen an der Aare–Wangenried

Kosten und Finanzierung