ANTWORTEN AUF IHRE FRAGEN
Grundlagen
Schwammland bezeichnet Landschaften, die Regenwasser aufnehmen, speichern und langsam wieder abgeben können. Analog zur Funktion eines Schwammes können Schwammlandschaften viel Wasser aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben. Dadurch wird Wasser dort zurückgehalten, wo es fällt – anstatt schnell über Bäche und Flüsse abzufliessen.
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Schwammland-Massnahmen sind meist natürliche (teils technische) Massnahmen zur Stärkung des natürlichen Wasserhaushalts einer Landschaft. Sie erhöhen den Rückhalt, die Speicherung und die Versickerung von Wasser und sorgen dafür, dass Niederschläge möglichst lange in Böden, Vegetation, Gewässern und im Grundwasser verbleiben. Dazu gehören beispielsweise Retentionsteiche und Keyline-Design in der Landwirtschaft, der Rückstau von Gräben im Wald oder Wiedervernässung von Mooren und Reaktivierung von Auengebieten.
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Beide Konzepte verfolgen dasselbe Ziel: Wasser möglichst dort zurückhalten, wo es fällt, statt es rasch abzuleiten. Schwammstadt konzentriert sich auf den Siedlungsraum. Dazu gehören beispielsweise Gründächer, entsiegelte Flächen, Versickerungsanlagen oder Stadtbäume. Schwammland erweitert dieses Prinzip auf die gesamte Landschaft – also auf Landwirtschaft, Wälder, Feuchtgebiete und Gewässer.
Der entscheidende Punkt: Wasser kennt keine Gemeinde- oder Stadtgrenzen. Der Wasserhaushalt verbindet Städte und ländliche Räume über den gesamten Wasserkreislauf. Deshalb reicht es nicht aus, nur Siedlungen nach dem Schwammstadtprinzip zu gestalten. Gerade weil weniger als zehn Prozent der Fläche der Schweiz Siedlungsgebiet sind, liegt ein grosses Potenzial für den Wasserrückhalt im ländlichen Raum. Es ist oftmals auch kostengünstiger, das Wasser weiter oben im Einzugsgebiet zurückzuhalten, wo es erstens mehr gebraucht wird und wo es zweitens weniger Schaden anrichten kann als im Siedlungsgebiet. Schwammstadt und Schwammland ergänzen sich daher optimal.
Mehr erfahren: Infoplattform Schwammstadt
Mit dem Klimawandel nehmen längere Trockenperioden und Starkregen zu (BAFU, 2025). Das Wasserdargebot (also der gesamte Niederschlag) übers Jahr nimmt kaum ab, jedoch verändert sich die saisonale und lokale Verfügbarkeit signifikant. Gleichzeitig wurden viele Landschaften in den letzten Jahrzehnten künstlich entwässert, Feuchtgebiete trockengelegt und Fliessgewässer kanalisiert. Dadurch hat die natürliche Funktion der Landschaft, den Wasserhaushalt zu puffern, abgenommen (Gimmi et al. 2011). Schwammland hilft, diese Speicherfunktion wieder zu stärken und die Landschaft an den Klimawandel anzupassen.
Das Thema Schwammland gewinnt in der Schweiz zunehmend an Bedeutung. Bereits heute werden viele Massnahmen umgesetzt – etwa Gewässerrevitalisierungen, Wiedervernässungen von Mooren und Wäldern, Agroforstsysteme oder Projekte zum natürlichen Wasserrückhalt in der Landwirtschaft. Gleichzeitig untersucht die Forschung ihre Wirksamkeit und mehrere Kantone integrieren das Thema in ihre Wasser- und Klimastrategien.
Dennoch steht die Schweiz noch am Anfang. Viele gute Einzel- und Pilotprojekte existieren bereits, doch nun geht es darum, Erfahrungen zu bündeln, Akteure zu vernetzen, erfolgreiche Lösungen in die Breite zu tragen und Massnahmen in die Fläche zu bringen. Genau hier setzt das Netzwerk Schwammland an: Es fördert den Wissensaustausch, macht Praxisbeispiele sichtbar und unterstützt die Umsetzung von Schwammlandprojekten in der ganzen Schweiz.
Mehr erfahren: Beitrag in der Zeitschrift Aqua&Gas
Wirkung
Sie verlangsamen den Wasserabfluss und puffern den natürlichen Wasserkreislauf. Wasser versickert besser im Boden, speist das Grundwasser und bleibt länger in Vegetation, Böden und Gewässern gespeichert.
Sie können Hochwasserspitzen reduzieren, weil ein Teil des Regenwassers zwischengespeichert wird. Dadurch gelangt weniger Wasser gleichzeitig in unsere Bäche und Flüsse. Sie ersetzen jedoch keinen technischen Hochwasserschutz bei extremen Ereignissen. Dies kann durch den Ansatz «grün wo wir können, grau wo wir müssen» verdeutlicht werden (Fribourg-Blanc et al. 2023).
Ja. Indem mehr Wasser im Boden und Grundwasser gespeichert und die Bodenfeuchtigkeit erhöht wird, steht Pflanzen und Gewässern während Trockenperioden länger Wasser zur Verfügung.
Einzelne Massnahmen wirken lokal. Die grösste Wirkung entsteht, wenn viele verschiedene, komplementäre Massnahmen in einem ganzen Einzugsgebiet und in verschiedenen Sektoren (Wald, Landwirtschaft, Gewässer) kombiniert werden. Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass dadurch Hochwasser-, Dürre- und Biodiversitätsziele gleichzeitig unterstützt werden können (Penning et al. 2023).
Schwammland
- fördert Biodiversität,
- reduziert Hochwasserrisiken,
- macht Landschaften widerstandsfähiger gegen Trockenheit,
- verbessert die Grundwasserneubildung,
- kühlt die Landschaft durch Verdunstung,
- stärkt Bodenqualität.
Ja. Gesunde Böden, Wälder und Moore tragen zum Klimaschutz bei, indem sie Kohlenstoff speichern und Treibhausgasemissionen mindern (Lal et al. 2021, Fahey et al. 2009); besonders wiedervernässte Moore sind dabei wirksam (Wilson et al. 2016).
Umsetzung
Schwammland entsteht nicht durch eine einzelne Massnahme. Entscheidend ist das Zusammenspiel vieler kleiner und grosser Massnahmen innerhalb einer Landschaft. Wichtig ist, die Massnahmen an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. Nicht jede Massnahme kann in jedem Einzugsgebiet umgesetzt werden.
Mehr erfahren: Massnahmenblätter und Beispielsammlung umgesetzter Projekte
Bereits kleine Veränderungen können helfen, zum Beispiel:
- Humus aufbauen
- Bodenschonend bewirtschaften
- Wasserrückhaltemassnahmen wie Keyline-Design oder Retentionsteiche erstellen
- Agroforstsysteme etablieren
- Entwässerungssysteme zu intelligenten Drainagen umbauen
Mehr erfahren: Massnahmenblätter
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Wasser länger im Wald zurückzuhalten. Beispielsweise:
- Entwässerungsgräben überprüfen und allenfalls rückstauen
- Feuchtstandorte erhalten
- Bachläufe naturnah gestalten
- Drainagegräben überprüfen und allenfalls aufheben
- Totholz und Strukturvielfalt fördern
- Waldumbau zu Mischwald
Teilweise ergeben sich auch Synergien mit dem Schutz von Zuströmbereichen und lokalen Trinkwasserversorgungen .
Mehr erfahren: Massnahmenblätter
Gemeinden können Schwammland in Raumplanung, Gewässerentwicklung, Landwirtschaft, Wald und Siedlungsentwicklung gemeinsam berücksichtigen.
Mehr erfahren: Vollzugshilfen und Leitfäden
Das Netzwerk Schwammland vernetzt Fachpersonen, Gemeinden, Kantone, Verbände und Grundeigentümer:innen und stellt Praxisbeispiele, Werkzeuge und Kontakte zur Verfügung.
Je nach Projekt bestehen Fördermöglichkeiten von Bund, Kantonen, Gemeinden oder Stiftungen.
Mehr erfahren: Finanzierungsmöglichkeiten
Mythen & Vorurteile
Nicht grundsätzlich. Feuchtgebiete können Mücken fördern, doch gut geplante und gepflegte Systeme mit ausreichender Struktur und natürlichen Gegenspielern reduzieren dieses Risiko deutlich (Walton et al. 2011, Mazzacano et al. 2013); besonders problematisch sind kleine, stagnierende Wasserflächen ohne ökologische Dynamik.
Nein. Ziel ist nicht, möglichst viele Flächen zu vernässen, sondern Wasser dort zurückzuhalten, wo es sinnvoll ist. Je nach Standort kommen ganz unterschiedliche Massnahmen infrage – oft ohne Nutzungseinschränkungen. Es geht darum Lösungen zu finden, die Mehrwerte für die landwirtschaftliche Produktion und die Klimaanpassung gleichermassen bieten.
Nein. Sie schützen Infrastruktur vor Hochwasser, stärken die Trinkwasserversorgung, erhöhen die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft gegen Klimaextreme und unterstützen somit die Ernährungssicherheit und machen Landschaften insgesamt resilienter gegen den Klimawandel.
Nein. Schwammlandmassnahmen ersetzen den technischen Hochwasserschutz mit Dämmen und Rückhaltebecken nicht, sondern ergänzen ihn als naturbasierte Elemente eines kombinierten Schutzsystems; sie können Hochwasserspitzen mindern, insbesondere bei kleineren bis mittleren Ereignissen (Lallemant et al. 2017).
Nicht jede Massnahme wirkt überall gleich gut. Standortvoraussetzungen wie Topografie, Boden, Klima, Bodennutzung und die Kombination verschiedener Massnahmen sind entscheidend. Deshalb setzen erfolgreiche Projekte auf lokales Wissen und die Zusammenarbeit verschiedener Akteure.