Lobsigensee
Der Lobsigensee bei Seedorf ist ein eiszeitlicher Toteissee im Zentrum eines natürlichen Verlandungsmoors. Zur Gewinnung von Kulturland wurde der ursprünglich abflusslose See seit dem 19. Jahrhundert durch den künstlich angelegten Seebach, Drainagen und mehrere Pegelabsenkungen entwässert. Dadurch gingen Feuchtlebensräume verloren, Nährstoffe gelangten aus den umliegenden Landwirtschaftsflächen in den See und die rund 5’900 Jahre alten archäologischen Fundschichten begannen auszutrocknen.
Durch die natürliche Besiedlung durch den Biber änderte sich der Wasserhaushalt erneut: Seine Dämme erhöhten den Seespiegel und vernässten angrenzende Landwirtschaftsflächen. Das Projekt nutzte diese natürliche Dynamik als Ausgangspunkt für eine langfristige Lösung. Das Projektteam setzte sich aus den betroffenen Landwirten, der Einwohnergemeinde Seedorf, Vertretern des Gemeinderates, dem Lyssbachverband sowie den zuständigen Fachstellen (ANF, Jagdinspektorat und Archäologie) zusammen. Gemeinsam wurde beschlossen, die natürliche Entwicklung zu akzeptieren und nach langfristigen Lösungen zu suchen.
Im Zentrum stand dabei nicht eine Renaturierung, sondern eine Lösung, welche sowohl den Naturwerten als auch den berechtigten Interessen der Grundeigentümer gerecht wird. Daraus entstand eine kleine Grenzbereinigung. In der Folge konnte der Kanton die vernässten Flächen erwerben beziehungsweise abtauschen und das Schutzgebiet entsprechend anpassen, sodass die betroffenen Grundeigentümer schadlos gehalten werden konnten. Damit werden Natur, Wasserhaushalt und UNESCO-Weltkulturerbe langfristig gesichert und gleichzeitig die Interessen der betroffenen Grundeigentümer und der Landwirtschaft berücksichtigt.
Erfolgsfaktoren / Erfahrungen
- Natürliche Prozesse als Chance nutzen: Der Biber wirkte als Katalysator der Wiedervernässung.
- Realersatz anbieten: Betroffene Grundeigentümer konnten soweit möglich durch den Tausch gegen weiterhin landwirtschaftlich nutzbare Flächen entschädigt werden.
- Partnerschaftlicher Ansatz: Die Bewirtschaftenden wurden nicht nur informiert, sondern waren von Beginn an aktiv in den Prozess und die Lösungsfindung eingebunden
- Pflege verbindlich regeln: Pflegeverträge stellen sicher, dass die neuen Naturwerte langfristig erhalten werden.
- Natur- und Kulturgüterschutz verbinden: Die dauerhafte Vernässung schützt sowohl seltene Lebensräume als auch die archäologischen Fundschichten.
- Zeit für Grundstücksgeschäfte einplanen: Landkäufe, Abparzellierungen und Realersatz sind komplex, bilden aber eine wichtige Grundlage für eine dauerhafte Lösung.
- Angepasste Beweidung prüfen: Weniger empfindliche Rand- und Pflegeflächen können extensiv beweidet werden, unter anderem mit Wasserbüffeln.
- Konflikte offen benennen: Für die Natur ist der höhere Wasserstand eine Chance, für die Landwirtschaft bedeutet er den Verlust oder die Einschränkung bewirtschaftbarer Flächen. Tragfähige Lösungen benötigen deshalb Entschädigungen und einen Interessenausgleich.
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Lobsigensee @PetraGraf -

Luftaufnahme Lobsigensee @ArchivAbteilungNaturförderung -

Wasserbüffel Lobsigenssee @PetraGraf -

Naturschutzgebiet Lobsigensee @PetraGraf
Kurzbeschrieb
Standort
Stand
- umgesetzt
Kontakt
Projektpartner
- Kanton Bern, Abteilung Naturförderung
- Renaturierungsfonds des Kantons Bern
- Wasserbauverband Lyssbach, vormals Gemeindeverband Lyssbach
- Gemeinde Seedorf
- Urbanum AG
- Archäologischer Dienst des Kantons Bern
- betroffene Grundeigentümer und Bewirtschaftende
Kosten und Finanzierung
Das Projekt wird finanziell getragen durch:
- Einwohnergemeinde Seedorf
- Abteilung Naturförderung (ANF)
- Der Renaturierungsfonds des Kantons Bern
- Bundesgelder (BAFU: Bundesamt für Umwelt)
Projektpläne
Externe Links