Vernässungsprojekt Höllwald Münchenbuchsee

Der Bärenriedbach durchfliesst im Höllwald bei Münchenbuchsee eine rund 400 Meter lange und 20 bis 30 Meter breite Talmulde. Mehrere Quellaustritte, temporäre Bacharme und vernässte Böden bieten gute Voraussetzungen für die Entwicklung eines naturnahen Feuchtwalds. In niederschlagsarmen Perioden trocknet der kleine Bach jedoch zeitweise aus. Zudem fliesst das Wasser bei Regen rasch aus dem Gebiet ab.

Mit Totholzwällen und künstlichen Biberdämmen, sogenannten Beaver Dam Analogs, wird der Wasserabfluss verlangsamt und das Bachwasser wieder stärker in der Fläche verteilt. Ergänzende Waldrandaufwertungen und ein 25-jähriger Nutzungsverzicht schaffen Raum für eine natürliche Waldentwicklung. Das Projekt verbindet Wasserrückhalt, Feuchtwaldförderung und die Aufwertung von Lebensräumen für Amphibien, Reptilien und Gewässerinsekten.

Erfolgsfaktoren / Erfahrungen

  • Naturnahe, einfache Bauweise: Die verwendeten Strukturen orientieren sich an natürlichen Biberdämmen und liegendem Totholz.
  • Unterschiedliche Strukturen kombinieren: Flechtdämme wirken bereits bei geringen Abflüssen, während die durchlässigen Totholzwälle besonders bei Starkregen Wasser zurückhalten.
  • Material aus dem Gebiet verwenden: Für die Totholzwälle wurden insgesamt rund 20 Kubikmeter Stammholz und 45 Kubikmeter Rundholz verbaut. Das Holz stammte grösstenteils aus der gleichzeitigen Waldrandpflege und aus einer benachbarten Waldparzelle. Neben vorbereiteten Weiden- und Haselruten wurden vor Ort geschnittene Erlenäste verwendet. Eichenpfähle bilden das tragende Gerüst.
  • Waldboden schützen: Ein langarmiger Harvester brachte die Stämme von der Seite ein. Dadurch konnte der empfindliche, vernässte Waldboden weitgehend geschont werden.
  • Freiwillige einbeziehen: 26 Freiwillige des Natur- und Vogelschutzvereins bauten die Flechtdämme unter fachlicher Anleitung von Hand.
  • Quellen und Leitungen berücksichtigen: Quellaustritte und Überläufe der nahe gelegenen Brunnenstuben dürfen nicht zusätzlich eingestaut werden.
  • Langfristige Entwicklung ermöglichen: Der 25-jährige Nutzungsverzicht gibt dem Wald Zeit, sich an die veränderte Gewässerdynamik anzupassen.
  • Wirkung beobachten: Veränderungen werden vor beziehungsweise unmittelbar nach der Umsetzung sowie nach fünf Jahren untersucht.
  • Unterhalt zurückhaltend gestalten: Grundsätzlich soll sich der Bach nun selbstständig entwickeln. Eingriffe sind nur vorgesehen, wenn Flächen ausserhalb des Projektperimeters betroffen sind.
  • Verschiedene Akteure früh einbeziehen: Grundeigentümer, Forst, Wasserbau, Naturförderung, Renaturierungsfonds und Fachplanende wurden bereits während der Planung einbezogen.

Kurzbeschrieb

Auf einer rund 1,7 Hektaren grossen Waldfläche wurden entlang des Bärenriedbachs Flechtdämme nach dem Prinzip von Beaver Dam Analogs und quer zur Talmulde verlaufende Totholzwälle erstellt. Die Flechtdämme stauen Wasser im Bachbett und leiten es teilweise in die angrenzende Waldfläche. Die durchlässigen Totholzwälle wirken besonders bei Starkregen: Sie bremsen den oberflächlichen Abfluss, verlängern die Fliesswege und fördern temporäre Wasserflächen und neue Nebengerinne. Eine rund 1,2 Hektaren grosse Alt- und Totholzinsel sichert die natürliche Entwicklung des Waldes für mindestens 25 Jahre. Eine wissenschaftliche Wirkungskontrolle untersucht Veränderungen der Vegetation, Gewässerfauna, Laufkäfer und Amphibien.

Standort

3053
Höllwald, Gemeinde Münchenbuchsee, Kanton Bern

Stand

  • umgesetzt

Kontakt

Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung NVM
Erich
Lang

Projektpartner

  • Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung NVM
  • Renaturierungsfonds des Kantons Bern
  • Waldabteilung Mittelland des Kantons Bern BirdLife Schweiz,
  • Projekt «Naturjuwelen plus 2025–2029»
  • Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern
  • Oberingenieurkreis III, Wasserbau Abteilung Naturförderung des Kantons Bern
  • Grundeigentümer Matthias Künti
  • Emch+Berger AG Bern
  • Meier Holz AG, Seedorf – Bau der Totholzwälle
  • Universität Basel
  • Lea Kamber – Untersuchung der Laufkäfer
  • Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz KARCH
  • 26 Freiwillige des NVM
  • zuständiger Revierförster
  • Brunnengenossenschaft
  • BirdLife

Kosten und Finanzierung

Die budgetierten Gesamtkosten betragen CHF 100’000. Der Betrag wurde getragen durch:

  • Renaturierungsfonds des Kantons Berns
  • BirdLife Schweiz
  • Waldabteilung Mittelland des Kantons Bern
  • Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung.