BDa’s am uechtgraben

Auf der Horbermatt wurde 2023 entlang des Uechtgrabens mit rund 30 künstlichen Biberdämmen (Beaver Dam Analogs, BDAs) das bislang grösste Projekt dieser Art in der Schweiz umgesetzt. Ziel ist es, einen stark eingetieften Bach wieder naturnäher zu entwickeln und den natürlichen Wasserhaushalt der Landschaft zu stärken. Die naturnahen Holzstrukturen wirken ähnlich wie Biberdämme: Sie verlangsamen den Wasserabfluss, halten Wasser länger in der Landschaft zurück, fördern die Versickerung und heben den Grundwasserspiegel lokal an.

Das Projekt reagiert auf zwei zentrale Herausforderungen unserer Zeit: zunehmende Wetterextreme infolge des Klimawandels sowie die Folgen einer jahrzehntelangen Gewässervertiefung und Entwässerung der Landschaft. Vor der Umsetzung hatte sich der Bach stellenweise bis zu zwei Meter tief ins Gelände eingeschnitten. Dadurch wurde das Grundwasser dauerhaft abgesenkt, fruchtbarer Boden erodierte und der Bach leitete Hochwasser ungebremst talwärts.

Mit den BDAs soll dieser Teufelskreis durchbrochen werden. Die Massnahmen fördern die Wiedervernässung der Uferbereiche, schaffen wertvolle Lebensräume für Amphibien, Insekten, Reptilien, Vögel und Sumpfpflanzen und erhöhen gleichzeitig die Widerstandsfähigkeit der Landschaft gegenüber Trockenheit und Hochwasser. Ein besonderer Vorteil der künstlichen Biberdämme besteht darin, dass sie gezielt geplant und an die landwirtschaftliche Nutzung angepasst werden können. Lage und Höhe der Bauwerke werden so gewählt, dass die Bewirtschaftung möglichst wenig beeinträchtigt wird und Drainagen oder Infrastrukturen nicht negativ beeinflusst werden.

Zusammen mit den auf den angrenzenden Flächen umgesetzten Keyline-Massnahmen zeigt das Projekt, wie sich natürliche Wasserretention, Biodiversitätsförderung und landwirtschaftliche Nutzung miteinander verbinden lassen. Es macht deutlich, wie viele kleine, über ein Einzugsgebiet verteilte Massnahmen gemeinsam dazu beitragen können, eine Landschaft Schritt für Schritt wieder in eine Schwammlandschaft zu verwandeln.

Erfolgsfaktoren / Erfahrungen

  • Der Uechtgraben hatte sich vor den Massnahmen unnatürlich tief ins Gelände eingeschnitten, weshalb bei Projektstart vermutet wurde, dass neben dem Defizit an natürlichen Querstrukturen evtl. auch ein Feststoffdefizit vorliegt. Die Auflandung hinter den BDAs stellte sich dann aber sehr rasch nach Bau ein, weshalb davon auszugehen ist, dass relativ viel Material transportiert wird, dieses bisher aber durchtransportiert wurde.
  • Die Bachabschnitte auf der Horbermatt sind grundsätzlich sehr viel steiler, als Biber je bauen würden, weil Ihre Dämme aufgrund der hydraulischen Belastung in sehr steilen Strecken nicht lange halten.
  • Die BDAs konnten die gewünschte Sohlenerhöhung und die laterale Konnektivität wiederherstellen. In den Verlandungszonen hat sich ein Schwammkörper aufgebaut der Wasser langfristig speichert und im Untergrund etabliert sich so über die Zeit wieder ein erhöhter Grundwasserspiegel. Damit wird der Wasserhaushalt gepuffert und es bleibt länger feucht und grün in der Trockenheit (anstehende Weideflächen).
  • Der Landwirt Philipp Ramser macht angesichts der Aufladung in den BDAs genau das, was die Projektbeteiligten empfohlen haben: Flechtwerk erneuern und mit der Zeit eine neue Generation von BDAs drüber bauen.

Kurzbeschrieb

Bau von rund 30 Biberdamm-Analogs am Uechtgraben zur Abflussverzögerung, Wiedervernässung, Grundwasseranreicherung und ökologischen Aufwertung eines stark eingetieften Bachsystems.

Standort

Uechtgraben, Oberbalm, Kanton Bern

Stand

  • umgesetzt

Kontakt

Emch+Berger
Niels
Werdenberg
Tel. +41 58 451 65 77

Projektpartner

  • Projektverfasser und Bauleitung: Emch+Berger AG Bern
  • Bauunternehmung: Kästli Bau AG
  • Bauherrin: Gemeinde Oberbalm
  • Timelapsekamera: Umweltbildner.ch
  • Fachliche Unterstützung: Arbeitsgruppe BDA Schweiz

Kosten und Finanzierung

Ca. 100’000.- CHF (Erstellung BDAs inkl. bauliche Sohlenerhöhung der Tiefenerosionsrinne mit zugeführtem Material). Finanzierung: TBA OIK II und Renaturierungsfonds des Kantons Bern.