BDa’s lenzburg

Im Lenzburger Wald wurden über Generationen Drainagegräben angelegt, damit feuchte Böden einfacher bewirtschaftet werden konnten. Dadurch gingen jedoch wertvolle Nassstandorte verloren, der Waldboden trocknete aus und seine natürliche Schwammfunktion wurde geschwächt. Gleichzeitig setzen häufigere Hitze- und Trockenperioden den Wald zunehmend unter Druck.

Im Zweiweiertal erprobt die Ortsbürgergemeinde Lenzburg deshalb künstliche Biberdämme, sogenannte Beaver Dam Analogs. Die kleinen, aus natürlichen Materialien errichteten Sperren stauen bestehende Drainagegräben und halten das Wasser länger im Wald zurück. Das Pilotprojekt soll feuchte Waldgesellschaften regenerieren, die Artenvielfalt fördern und praktische Erfahrungen mit einer naturnahen Form der Klimaanpassung liefern.

Die künstlichen Biberdämme haben im Sommer 2026 ihre erste Bewährungsprobe bestanden. Trotz anhaltender Hitze und aussergewöhnlich trockener Bedingungen führte der unterhalb gelegene Bach weiterhin Wasser. In früheren Jahren war dieser Abschnitt selbst in durchschnittlichen Sommern zeitweise vollständig ausgetrocknet. Die Beobachtung bestätigt, dass die Dämme den Wasserabfluss wirksam verzögern und die Wasserführung während Trockenperioden verbessern.

Erfolgsfaktoren / Erfahrungen

  • Alle Beteiligten früh einbeziehen: Absprachen mit Grundeigentümerschaft, Forst, Gewässerunterhalt, Jagd und Fischerei benötigen Zeit und Geduld.
  • Geeignete Standorte auswählen: Besonders geeignet sind ehemalige Feuchtgebiete, Auen, Mulden und Senken mit einem Gefälle von höchstens fünf Prozent.
  • Konflikte mit Nutzungen vermeiden: Naturnahe Flächen ohne störende Infrastruktur oder intensive Nutzung bieten die besten Voraussetzungen.
  • Bestehende Naturwerte prüfen: Bei bereits strukturreichen Bachläufen müssen Nutzen und mögliche Beeinträchtigungen eines Einstaus sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.
  • Bestockung vorgängig auslichten: Eine grosszügige Auslichtung erleichtert den Bau und schafft Raum für die Vernässung.
  • Wasser kontrolliert ableiten: Eine sohlenfeste Soll-Überlaufstelle verhindert unkontrollierte Erosion und lenkt das Wasser gezielt. Wenn möglich, liegt sie seitlich des Damms.
  • Natürliche Materialien verwenden: Pfähle, Weidenäste, Jute, Kokos, Erde und Lehm ermöglichen eine einfache und naturnahe Bauweise.
  • Dynamische Entwicklung zulassen: Die künstlichen Dämme sind nicht als dauerhafte Betonbauwerke gedacht. Veränderung und teilweiser Zerfall gehören zum Konzept.
  • Regelmässig kontrollieren: Kontrollen sind besonders nach Hochwasser und Starkregen sowie in stark besuchten Naherholungsgebieten wichtig.
  • Abdichtung nachbessern: Erde und Astmaterial können bei Bedarf ergänzt werden.
  • Geduld bei der Vegetationsentwicklung: Erst nach ein bis zwei Jahren zeigt sich, ob die eingebauten Weiden anwachsen.
  • Wirkung verändert sich: Der Wasserrückstau ist unmittelbar nach dem Bau am grössten und kann mit der Zeit abnehmen.
  • Lebensdauer berücksichtigen: Je nach Unterhalt beträgt die Lebensdauer ungefähr ein bis fünf Jahre.
  • Spätere Verstetigung ermöglichen: Wenn sich die gewünschte Wirkung bestätigt, kann an geeigneten Standorten eine langlebigere Lehmsperre eingebaut werden.
  • Bevölkerung informieren: Frühzeitige Kommunikation hilft, Fragen zu den sichtbaren Eingriffen im Naherholungswald zu klären.

Kurzbeschrieb

Im Dezember 2024 wurden im Zweiweihertal bei Lenzburg vier kleine Beaver Dam Analogs in bestehende Drainagegräben eingebaut. Palisadenartig eingeschlagene Holzpfähle bilden das Grundgerüst. Die Zwischenräume sind mit Weidenästen verflochten und mit Jute- oder Kokosmatten sowie Aushubmaterial und Lehm abgedichtet.
Die Dämme heben den Wasserstand an, verlangsamen den Abfluss und fördern die Versickerung in den angrenzenden Waldboden. Damit sollen ursprünglich feuchte Pflanzengesellschaften wiederhergestellt und Erfahrungen für weitere Wiedervernässungsprojekte im Lenzburger Wald gesammelt werden

Standort

Zweiweihertal, Stadt Lenzburg, Kanton Aargau

Stand

  • umgesetzt

Kontakt

apiaster GmbH
Philipp
Schuppli
Tel. +41 62 511 96 01

Projektpartner

  • Ortsbürgergemeinde Lenzburg
  • Forstdienste Lenzia
  • apiaster GmbH
  • Kanton Aargau, Departement Bau, Verkehr und Umwelt
  • Abteilung Wald des Kantons Aargau
  • Stadt Lenzburg

Kosten und Finanzierung

Die Umsetzung eines bis zu 80 Zentimeter hohen und rund vier Meter breiten künstlichen Biberdamms kostet gemäss Projektunterlagen ungefähr CHF 1’000, wobei die Kosten für die Planung da noch nicht einberechnet sind.

Externe Links