Ökologische Aufwertung am Seeradweg Ermatingen–Triboltingen

Am Südufer des Untersees zwischen Ermatingen und Triboltingen wurde ein stark frequentierter Abschnitt der internationalen Rheinroute saniert. Der bisher gemeinsam von Velofahrenden und Wandernden genutzte Kiesweg wurde durch eine 2,9 bis 3,5 Meter breite asphaltierte Velospur und einen separaten Fussweg ersetzt. Da der 1,6 Kilometer lange Abschnitt zwischen Bahnlinie und Seeufer durch Schutzgebiete führt, waren für beanspruchte Flachmoorflächen und Amphibienlaichgebiete ökologische Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen erforderlich.

Dafür wurden überwiegend aufgeschüttete oder landwirtschaftlich wenig produktive Uferflächen ökologisch aufgewertet. Auf einer ehemaligen Ablagerungsfläche wurde der künstlich aufgebrachte Ober- und Unterboden entfernt, sodass der ursprüngliche, teilweise vernässte Untergrund wieder zum Vorschein kam. Durch eine kleinräumige Geländemodellierung entstanden unterschiedlich feuchte Standorte – von permanenten und periodischen Tümpeln über vernässte Streuwiesen bis zu wechseltrockenen und kiesigen Bereichen. Die Bauarbeiten dauerten von Oktober 2023 bis Sommer 2024. Die Entwicklung der neu angesäten Lebensräume wird durch ein kantonales Monitoring begleitet.

Erfolgsfaktoren / Erfahrungen

  • Natürliche Formen schrittweise entwickeln: Die zuerst modellierten Strukturen wirkten zu regelmässig und künstlich. Durch eine zweite Bearbeitung entstanden vielfältigere und naturnähere Geländeformen. ¨
  • Lokale Bodenverhältnisse nutzen: Das kleinräumige Mosaik aus Seekreide, Torf und Braunerde wurde nicht vereinheitlicht, sondern gezielt in die Gestaltung einbezogen.
  • Unterschiedliche Feuchtestufen schaffen: Abwechslungsreiche Höhenlagen und Distanzen zum Grundwasser ermöglichen verschiedene Lebensräume – von Tümpeln bis zu trockenen Kiesstellen.
  • Ausführende früh einbeziehen: Die Begrünungsfirma brachte wichtige zusätzliche Ideen ein, darunter die Geländemodellierung, Amphibiengewässer und die Aufwertung weiterer Flächen.
  • Zukünftige Bewirtschaftung berücksichtigen: Der spätere Bewirtschafter wurde bereits während der Bauarbeiten beigezogen und konnte seine Anforderungen an die Flächengestaltung einbringen.
  • Synergien mit Infrastrukturprojekten nutzen: Die Sanierung des Velowegs wurde zum Auslöser für eine wesentlich umfassendere ökologische Aufwertung des Seeufers.
  • Gehölzaufwuchs früh kontrollieren: Besonders auf nassen Flächen können sich Silberweiden rasch ausbreiten und die angestrebten offenen Lebensräume verdrängen.

Kurzbeschrieb

Ursprünglich waren vor allem Mager- und Streuwiesen sowie einzelne Kleinstrukturen vorgesehen. Während der Ausführung wurde das Projekt gemeinsam mit der Begrünungsfirma, dem Planungsbüro, der kantonalen Naturschutzfachstelle und den zukünftigen Bewirtschaftenden weiterentwickelt. Statt die Fläche gleichmässig abzutragen, modellierte der Bagger ein vielfältiges Relief mit Senken, Erhebungen und flachen Gewässern. Zwei zusätzliche Nachbarflächen wurden ebenfalls einbezogen und als artenreiche Fromentalwiesen angesät.

Entsprechend den unterschiedlichen Boden- und Feuchteverhältnissen wurden Grossseggenriede, Kleinseggenriede, Pfeifengraswiesen, Trespen-Halbtrockenrasen und Fromentalwiesen angelegt. Für die feuchten Standorte kam möglichst regionales Saatgut zum Einsatz, das auf geeigneten Spenderflächen durch Mahdgutübertragung oder mit einem leichten, batteriebetriebenen Saatguternter gewonnen wurde. Für trockenere Pflanzengesellschaften fehlten geeignete Spenderflächen in unmittelbarer Nähe; deshalb wurde Saatgut eines regionalen Produzenten verwendet.

Die neuen Wiesen benötigen mehrere Jahre, um sich vollständig zu entwickeln. Fromentalwiesen und Halbtrockenrasen brauchen voraussichtlich ein bis zwei Jahre, Streuwiesengesellschaften zwei bis drei Jahre. Erste Beobachtungen zeigen bislang nur geringe Neophytenvorkommen. Auf einzelnen nassen Flächen haben sich jedoch dichte Bestände junger Silberweiden entwickelt, die künftig durch eine angepasste Mahd zurückgedrängt werden müssen.

Standort

Triboltingen Gemeinde Ermatingen Kanton Thurgau

Stand

  • umgesetzt

Kontakt

magma AG – Geologie Umwelt Planung
Anke
Grings
Tel. +41 52 630 06 60

Projektpartner

  • Tiefbauamt des Kantons Thurgau
  • kantonale Fachstelle für Naturschutz
  • HoloSem
  • magma AG
  • Hüppi AG
  • landwirtschaftliche Bewirtschaftende
  • Eigentümerschaft

Kosten und Finanzierung

Circa 2/3: Tiefbauamt des Kantons Thurgau

Circa 1/3: Amt für Raumplanung, Abteilung Natur und Landschaft Kanton Thurgau 

Projektpläne

Externe Links