Revitalisierung Auenwald Schlatt

Im Waldgebiet Schlatt am Jurasüdfuss zwischen Hägendorf und Rickenbach treffen auf engem Raum aussergewöhnlich unterschiedliche Lebensräume aufeinander: feuchte Erlen-Eschenwälder, Quellen und temporäre Bachläufe einerseits sowie trockene, lichte Föhrenwälder andererseits. Frühere forstliche Eingriffe, Entwässerungen, eine Forststrasse und standortfremde Fichtenbestände hatten die natürliche Dynamik des Auenwalds jedoch stark beeinträchtigt.

Seit 2023 wertet der Zweckverband Forstrevier Untergäu das Gebiet schrittweise auf. Ein alter Bachlauf wurde reaktiviert, natürliche Feuchtstellen wurden wiederhergestellt und trockene wie feuchte Waldlebensräume miteinander vernetzt. Dadurch hält der Wald mehr Wasser zurück und bietet gefährdeten Amphibien sowie zahlreichen weiteren Tier- und Pflanzenarten neue Lebensräume. 2026 wurde das Projekt mit dem Elisabeth und Oscar Beugger-Preis ausgezeichnet.

Erfolgsfaktoren / Erfahrungen

  • Bestehende Potenziale reaktivieren: Das Projekt schafft keinen künstlichen Lebensraum, sondern stellt natürliche Quellen, Bachläufe und Vernässungen wieder her.
  • Lokale Gebietskenntnisse nutzen: Der damalige Betriebsleiter und Revierförster Köbi Römer erkannte das ökologische Potenzial bereits 2022.
  • Fachliche Abklärungen durchführen: Eine Begehung mit der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz KARCH bestätigte 2023 das grosse Potenzial. Feuersalamander und deren Larven konnten im Gebiet flächig nachgewiesen werden.
  • Wasser den natürlichen Wegen folgen lassen: Die Reaktivierung des früheren Bachlaufs fördert die Eigendynamik und verbessert den Wasserrückhalt, ohne ein vollständig künstliches Gewässersystem anzulegen.
  • Störende Infrastrukturen entfernen: Der Rückbau der Forststrasse und der Brücke schafft Platz für Wasser, natürliche Prozesse und zusammenhängende Lebensräume.
  • Standortfremde Bestände beseitigen: Durch die Entfernung der Fichten können sich standortgerechte Erlen-Eschenwälder und weitere feuchte Waldgesellschaften entwickeln.
  • Schrittweise vorgehen: Die Umsetzung erfolgt etappenweise zwischen 2023 und 2030. Dadurch können Erfahrungen aus den ersten Eingriffen in die weiteren Massnahmen einfliessen.
  • Kontinuierliche Pflege sichern: Quellhabitate und lichte Wälder benötigen auch nach den baulichen Eingriffen regelmässige Pflege.

Kurzbeschrieb

In einer ersten Phase wurde ein alter natürlicher Bachlauf reaktiviert. Standortfremde Fichten, eine Forsterschliessungsstrasse und eine Brücke wurden entfernt. So entstanden wieder Quellbereiche, temporär vernässte Stellen und natürliche Bachläufe. 2026 wurden fünf Holzschwellen eingebaut, um das Wasser zu bremsen und zu verteilen. 2027 soll ein angrenzender Waldperimeter nach demselben Prinzip vernässt werden. Jährliche Pflegearbeiten an den Quellhabitaten und eine Durchforstung der Randbereiche sichern die Entwicklung bis 2030. Zusammen mit einem rund 5,5 Hektaren grossen lichten Wald entsteht ein vielfältiges Mosaik aus feuchten, wechselfeuchten und trockenen Waldlebensräumen.

Standort

Waldgebiet Schlatt, Region Untergäu, Kanton Solothurn

Stand

  • in Umsetzung, 
  • umgesetzt

Kontakt

Zweckverband Forstrevier Untergäu
Jürg
Hunziker
Tel. +41 62 216 37 28

Projektpartner

  • Zweckverband Forstrevier Untergäu
  • Bürgergemeinde Hägendorf
  • Gemeinde Rickenbach
  • Kanton Solothurn, Fachstelle Waldbiodiversität
  • Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz KARCH
  • Pro Natura
  • Oscar Beugger-Stiftung

Kosten und Finanzierung

Die Kosten der Holzernte, Dammbau, Entfernung der Strasse belaufen sich auf 47’000 Fr. In diesem Preis sind die Vorarbeiten, KARCH, Planung vom Kanton, Umzonung des Waldes in Feuchtgebiet nicht enthalten. Der Kanton SO (Biodiversität) hat die Kosten vollkommen getragen.

Die Erweiterung des Auenwaldes kostet ca. 25’000 – 30’000 Fr. Der Rest des Geldes wird für den Unterhalt und der Schrittweisen Holzernte bis 2030 verwendet.

Die 5 Schwellen, die im Jahr 2026 eingebaut wurden, kosteten 5500 Fr. Dieses Geld wurde vom Preisgeld der Oscar-Beugger Stiftung genommen.

Projektpläne